Ab 2022 werden die typischen Schwankungen der Nebensaison bei Benzin und Diesel weniger deutlich. Der Markt, der die Erwartungen übertrifft, aber hinter den tatsächlichen Werten zurückbleibt, ist weit verbreitet, insbesondere 2023, wenn die Auswirkungen der öffentlichen Gesundheitspolitik auf den Markt geringer ausfallen. Dann wird dieses Phänomen besonders deutlich. Der Markttrend folgt nicht den üblichen Mustern – wie lässt sich der Markt also prognostizieren? Und wo sollen wir ansetzen?
Der Markttrend im dritten Quartal dieses Jahres verlief unkonventionell, und das vierte Quartal spiegelte sich deutlich wider. Im dritten Quartal, dem saisonbedingten Nebensaisonzeitraum für Dieselkraftstoff, fielen die Dieselpreise in Shandong aufgrund der geringen Nachfrage kurzzeitig auf 6700 Yuan/Tonne. Mitte Juli jedoch, bedingt durch Lieferengpässe aufgrund großer Warenmengen, stiegen die Preise aufgrund der gestiegenen Marktstimmung und der Erwartungen an die Hochsaison kontinuierlich an. Dieser Preisanstieg hielt anderthalb Monate an. Nach Beginn der traditionellen Hochsaison „Golden Nine, Silver Ten“ fielen die Preise schließlich von 8050 Yuan/Tonne im September auf aktuell 7350 Yuan/Tonne – ein Rückgang um 700 Yuan/Tonne.
In einem unkonventionellen Markt stellt sich die Frage: Aus welcher Perspektive sollten wir uns auf die Prognose der zukünftigen Marktentwicklung konzentrieren? Auf die Fundamentaldaten? Auf die Marktstimmung? Oder auf Marktnachrichten? Die Antwort ist nicht in allen Phasen gleich. In dieser Phase ist die Analyse der Marktmentalität und der Marktnachrichten wichtiger als die Fundamentaldatenanalyse.
Aus aktueller Marktperspektive haben die Fundamentaldaten an Bedeutung verloren. Erstens wurden die positiven Nachrichten über die Produktionskürzungen bei Öl und Diesel in den Raffinerien bereits frühzeitig verarbeitet. Der Markt hätte diese Nachricht nutzen können, um eine positive Entwicklung auszulösen. Da der Rohölpreis jedoch nicht vollständig fiel, wurde dies gebremst. Zweitens herrscht aufgrund der Marktträgheit ein Überangebot an Benzin und Diesel. Die aktuelle Auslegungskapazität der chinesischen Mineralölraffinerien liegt bei fast einer Milliarde Tonnen pro Jahr, sodass eine Produktionskürzung von 10–20 % keine Angebotsverknappung zur Folge haben wird. Daher hat sich der Einfluss der Fundamentaldaten auf den Markt in dieser Phase abgeschwächt. Stattdessen herrscht am Markt Pessimismus. Dieser wird besonders deutlich, nachdem der Rohölpreis stark gefallen ist, Benzin und Diesel aber nicht nachgezogen haben. Der verzögerte Preisrückgang hat den Pessimismus in der Branche verstärkt und Raum für weitere Preissenkungen geschaffen.
Die späte Markterholung hängt von zwei Aspekten ab: Erstens muss abgewartet werden, ob sich die Rohölpreise stabilisieren. Aktuell verschlechtern sich die Fundamentaldaten für Rohöl, und Marktteilnehmer sollten das Risiko einer weiteren Korrektur der nach Juli erzielten Kursgewinne im Auge behalten. Das Ergebnis des OPEC+-Ministertreffens vom 26. November – eine Verlängerung der Frist oder eine geringfügige Produktionskürzung – könnte die hohe Volatilität der Ölpreise zwar weiter stützen, aber ihr absolutes Ausmaß ist begrenzt. Sollte die Produktion hingegen schrittweise erhöht werden, um die Produktionsausfälle auszugleichen, könnte der Rohölpreis einem deutlich höheren Abwärtsrisiko ausgesetzt sein. Kurz gesagt: Das negative Risiko für Rohöl ist noch nicht gebannt. Zweitens muss abgewartet werden, ob sich die Marktstimmung stabilisiert. Sollten die Benzin- und Dieselpreise weiter fallen und die Differenz zwischen Benzin- und Dieselpreisen und dem Rohöl-Cracking-Preis wieder auf ein relativ niedriges Niveau sinken, könnte sich der Marktpessimismus auflösen und die Voraussetzungen für die nächste Marktbewegung schaffen. Die sich entwickelnde positive Stimmung könnte langfristig positive Bedingungen für einen Aufwärtstrend schaffen. Persönlich gehe ich davon aus, dass die nächste Marktwelle etwa Mitte Dezember einsetzen wird und dass diese Welle durch die Warenbevorratung vor dem Ende des mehr als zweimonatigen Abwärtstrends verstärkt wird.
Veröffentlichungsdatum: 16. November 2023




